Wer kennt es nicht: Das ersehnte Paket kam, als man gerade nicht zuhause war. Oder die Packstation war voll oder gerade "nicht betriebsbereit" - das Paket landet also in der nächsten Filiale, wo es abgeholt werden will. Dazu braucht es den Paketschein, wenn der Paketbote einen im Briefkasten hinterlassen hat, oder die Checkkarte der Packstation und den Personalausweis. Der Mitarbeiter der Postfiliale sucht dann anhand des Namens nach dem Paket, prüft die Daten auf Plausibilität und lässt sich den Empfang der Sendung quittieren. Eine Sache von wenigen Minuten.

So ist es schon gefühlte einhundert Mal abgelaufen, wenn ich ein Paket abholen musste, in verschiedenen Filialen in verschiedenen Städten. Nun eine neue Filiale in Bochum. Ein Mitarbeiter, bei dem ich bisher nur ein, vielleicht zweimal eine Sendung aufgegeben - nie etwas abgeholt - habe. Der Ausweis wandert über die Theke, kurz und knapp werden die Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht. Es soll ja in einer Minute erledigt sein.

Dann - ein Problem. Zitat: "Tja, jetzt haben wir aber ein Problem!". Problem? Was sollte denn nochmal im Paket sein? Stimmt damit etwas nicht? Eine Antwort kommt aber nicht, es braucht eine Nachfrage meinerseits um eine genauere Problem-Schilderung zu bekommen und eine Lösung - vielleicht - zu ermöglichen.

"Der Name auf dem Paket stimmt nicht mit dem auf Ihrem Ausweis überein!" Viele Fragezeichen in meinen Augen. Name? Hat sich der vielleicht geändert in den letzten Tagen? Nicht dass ich wüsste.

"Hier steht Alex, auf ihrem Ausweis steht aber Alexander [Namen geändert]!" Zu den Fragezeichen in meinem Gesicht gesellt sich langsam der Ausdruck der Erkenntnis, dass dieses Gespräch kein schönes werden wird und das mal-eben-Abholen des Paketes wohl doch nicht so mal-eben werden wird. Tatsächlich gebe ich nur selten meinen vollen Vornamen an, einfach weil es schneller, einfacher und mir auch sympathischer ist. Und ich würde das auch gerne weiter so tun.

"Das darf ich Ihnen so nicht geben" Tja. Der Mann hat natürlich Recht - Name stimmt ja nicht. Theoretisch könnte selbstverständlich jemand anderes mit gleichem Nachnamen aber eben etwas "vollständigerem" Vornamen sich als mich ausgeben um genau dieses Paket abzuholen. Unmöglich ist das freilich nicht. Alle Beteuerungen meinerseits helfen nicht - Mensch bleibt eisern. In meinem Gesichtsausdruck erkennt man inzwischen vermutlich noch einige andere Gefühlsregungen. Schließlich der Vorschlag, der die Situation retten soll/könnte:
"Sie können jemandem eine Vollmacht schreiben, dann kann er die Sendung für Sie abholen". Ich brauche einen Moment um das sacken zu lassen. 

Es stellt sich die Frage: Soll man jetzt seinem Ärger über diesen Quatsch ('Tschuldigung, aber das trifft es meiner Meinung nach) Luft machen - und damit die Chance wahrscheinlich gänzlich verspielen, das Paket doch noch heute - ohne Vollmacht - zu bekommen. Oder verspricht vielleicht die Variante, unterwürfig um einme Ausnahme zu bitten, mehr Aussicht auf Erfolg? Tatsächlich, das hat sogar funktioniert. Natürlich "nur dieses eine Mal" und "ausnahmsweise".

 

Es ist tatsächlich das erste Mal, dass mich jemand auf dieses "Problem" überhaupt anspricht.  So sehr groß kann es also eigentlich nicht sein, zumal der gesunde Menschenverstand ja durchaus auch hin und wieder eingeschaltet werden darf um zu erkennen, ob die Situation hier im Kundensinne Härte oder vielleicht etwas Fingerspitzengefühl für den berühmten "kleinen Dienstweg" erfordert. Dabei müsste man natürlich unter Umständen ein kleines "Risiko" eingehen.

Interessanterweise scheint das gerade im Ruhrgebiet nicht nur mir so zu gehen, siehe dieser WAZ-Artikel aus Herne, wo ein fehlender Umlaut ein ähnliches "Problem" war.

Konsequenz aus der Geschichte: Für Pakete nehme ich jetzt die nächste, etwas weiter weg gelegene Packstation. In der Hoffnung, dass bei Problemen die nähere Hauptpost die Pakete aufnimmt, wo ich zwar lange warten muss, die Mitarbeiter aber nie "Probleme" wie oben sahen.